02. Juli 2019
Inhaltsverzeichnis
  • 1 Die Welle steigt. Wir werden sie reiten.

Die Welle steigt. Wir werden sie reiten.

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein chronisch ungeduldiger und rastloser Mensch bin. Mir schwillt schon der Hals, wenn ich eine Warteschlange nur von weitem sehe. Noch viel schlimmer wird es, wenn mir nichts anderes übrig bleibt und ich mich darin einreihen muss. Gesteigert wird das Ganze dann noch, wenn sich diese gefühlt einfach nicht bewegt –  es geht nicht voran.

Klar, ich könnte es als meine Aufgabe ansehen, an meiner Charakterschwäche zu arbeiten und mich darin üben, mich demütig in Schlangen einzureihen, bestenfalls die Situation zu genießen lernen oder zumindest den  persönlichkeitsbildenden Aspekt des Wartens zu erkennen.

All das mache ich auch – na ja, zumindest steht es auf meiner Agenda. Aber dieser persönliche Prozess wird mich noch viele Jahre beschäftigen.

Warum also in der Zwischenzeit nicht gleichzeitig an den Ursachen von Warteschlangen arbeiten?

Schlangen sind so alt wie unsere Kultur. Mein Eindruck ist: Sie werden einfach so hingenommen nach der Devise „Da kann man halt nichts machen.“ Und vordrängeln löst das Problem nur bedingt :-).

Im Besten Fall wird eine Schlange in zwei oder mehrere kürzere Schlangen geteilt. Doch im Kern bleibt alles beim Alten: Bei einer seriellen Abarbeitung. Einer nach dem Anderen. Wie öde!

Die Lösung kann nur eine konsequente Parallelisierung sein. Eine Gleichzeitigkeit des jeweiligen Prozesses bei vielen. Auch und gerade im stationären Handel, wo Warteschlangen an den Kassen nach wie vor ein besonderes Ärgernis sind.

Da trifft es sich gut, dass wir alle die für die Lösung des Problems notwendige Technologie, teilweise performanter und mit größerer Rechnerkapazität als die sich im Laden befindliche Kassenhardware, bereits in Form handlicher Rechenriesen nahezu permanent bei uns tragen.

Warum sollten wir die verfügbaren Rechenleistungen nicht nutzen und die unterforderten Smartphones und Tablets nicht noch mehr als bisher in den Einkaufsprozess einbinden?

App laden, Artikel scannen, Warenkorb zahlen und raus! Zunächst durchs Personal begleitet also „guided“. Später, wenn das Vertrauen gewachsen ist, auch völlig selbstständig.

Der Verbraucher, da spreche ich gewiss nicht nur für mich, empfindet keinerlei Lustgewinn, wenn er die Kasse suchen muss oder sich womöglich zwecks Bezahlens noch in einer Warteschlange hinten anstellen muss.

Parallelisierung heißt in diesem Zusammenhang, als Kunde im Handel den Checkout dort abwickeln zu können, wo man gerade ist.

Aufzuhalten ist diese Vision nicht. Da bin ich mir sicher. Der Einwand, dass eine solche Lösung dem Ladenklau Tür und Tor öffnet, sticht nicht. Denn auch dafür wird es Lösungen geben.

„Da macht ihr euch aber doch den eigenen Markt kaputt“, höre ich andere Kritiker schon sagen, die darauf verweisen, dass wir bei ROQQIO mindestens jeden zweiten Euro mit Kassenlösungen verdienen. Stimmt. Aber auch hier wie in vielen anderen Branchen lautet die Devise „Disruption“. Will heißen: Wenn wir uns selbst und unser Produktportfolio nicht selbst in Frage stellen und das Thema „Self-Checkout per Smartphone“ nicht forcieren, dann wird es früher oder später ein anderer Anbieter machen. Mit Sicherheit.

Consumer Convenience ist der Begriff, der uns die Richtung vorgibt. Vor diesem Hintergrund ist der uns bekannte Kassenarbeitsplatz ein Anachronismus. Dass wir Ware über den Tresen schieben und auf den „Beep“ des Scanners warten, ist mittelfristig out. Mobil wird sie sein, die neue Kasse, und am besten die Hardware des Kunden nutzend. Eben echter Selfcheckout – das Ganze ohne große Hardwaretrümmer. Davon bin ich überzeugt!

Damit wird der POINT of sale zur AREA of Sale: Überall und gleichzeitig – eben parallel!
Wir müssen uns wieder mehr auf den Fisch konzentrieren und nicht so sehr auf den Angler. Und der Fisch, also der Konsument, sagt klar: „So einfach und schnell wie möglich.“  Am besten mit einer APP für alle. One for All. Damit der Verbraucher nicht für jeden Laden lernen muss, wie dessen hauseigene App funktioniert. Das Ganze mit elektronisch archiviertem Bon. Wie in einem Online-Shop.
Das treibt mich an. Das motiviert.

Zugegeben: Man kann eine Produktinnovation auch zu früh auf den Markt bringen. Aber die Zeit ist reif für schlangenloses Kassieren im Handel. Die Signale sind unverkennbar. Erste Stores (z.B. von Decathlon), in denen die Kunden nur noch mit dem Smartphone bezahlen können, sind der Beweis und stehen für eine unumkehrbare Entwicklung. Warteschlangen? Fehlanzeige.

Die Welle steigt. Wir werden sie reiten.

In diesem Sinne: Innovative Grüße vom Schlangentöter.


Profilbild Johannes Schick

Johannes Schick

Seit 1986 ist johannes Schick bei höltl Retail Solutions GmbH und seit 2002 leitet er als CEO die Geschicke. Damit gehört er zu den Experten der Software-Branche für den Handel. Diesbezüglich bedeutet Omnichannel für ihn die Zukunft!

Inhaltsverzeichnis
  • 1 Die Welle steigt. Wir werden sie reiten.
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.